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Rede von Stadtverordnetenvorsteher Laube zum Volkstrauertag 2017

Meine Sehr geehrten Damen und Herren,   herzlich willkommen zu unserer heutigen Gedenkstunde. Vielen Dank an Sie, die Sie gekommen sind, an den Männergesangsverein, der die Feier mit Gesangsstücken unterstreicht, unsere Feuerwehr, die den Verkehr regelt, und an Pfarrer Lauer, der uns daran erinnern wird, dass nicht  wir  der Mittelpunkt dieser Welt sind

Vielen Dank, dass Sie alle mitwirken und die Bedeutung dieses Tages unterstreichen.

Wir begehen heute den Volkstrauertag. Volkstrauertag, das klingt nach nassem Novembermorgen, nach dunklen Mänteln, trüben Erinnerungen an Kriege, die doch schon so lange zurückliegen.

Ja, Erinnerung an Krieg ist unser Thema, aber es mitnichten ein trübes Thema, das uns heute hier zusammenbringt. Es ist vielmehr ein ganz aktuelles Thema, nämlich die Frage um den Frieden.

Krieg oder Frieden in der weiten Welt, das werden wir von Hallgarten aus nicht regeln können, aber wir können unseren ganz bescheidenen kleinen Beitrag leisten, dass dem Frieden Vorrang eingeräumt wird.

Es heißt Volkstrauertag. Aber jedem Trauer wohnt auch eine Hoffnung inne. Dies ist unser Anliegen.

Meine Sehr geehrten Damen und Herren, wir ärgern uns über so vieles, der Freund verdient mehr als ich, die Bundestagswahl ist nicht so ausgegangen, wie wir es erhofft haben, der Nachbar parkt immer so dämlich, das sind die Probleme, die uns das ganze Jahr beschäftigen.

Heute, hier, beschäftigen uns mit den wirklichen Fragen unseres Lebens, nämlich der Grundlage unserer Existenz. Wie können wir dauerhaft so leben, wie wir heute leben ?

Wir treffen uns heute hier, um darüber nachzudenken, was eigentlich die grundsätzlichste Frage eines schönen Lebens ist. Was braucht man ?  Am besten viel Geld, Ruhm, Ansehen. Einen Beruf, der einem Achtung verschafft, was noch, gutes Essen und Trinken, und was noch ?

Tja, das grundlegendste ist für uns das Selbstverständlichste. Warum können wir uns heute hier einfach so treffen, ohne vorher im Radio  - oder heute eher über Katwarn, Facebook oder Twitter -  zu prüfen, ob wir gefahrlos ins Freie gehen können oder ob irgendwelche Angriffe zu erwarten sind.

Mit dem Wort „Angriffe“ können wir heute gar nichts mehr anfangen. Fliegeralarm, Panzer- oder sonstige Angriffe, die gibt es Gott sei Dank in Deutschland seit mehr als 70 Jahren nicht mehr.

Die Ältesten unter uns, unsere Eltern und Großeltern haben das vor 80 Jahren in Deutschland immer wieder erlebt, mit fürchterlicher Wirkung.

Und in der weiten Welt findet das auch heute noch statt. Weltweit gab es im vergangenen Jahr 226 gewaltsam ausgetragene Konflikte.

55 Millionen Menschen sind im zweiten Weltkrieg gestorben, 55 Millionen !  55 Millionen, das sind fast zwei Drittel unserer heutigen Bevölkerung in Deutschland.

Unvorstellbar viele Menschen. Und deshalb so weit weg ?

Pro Stunde starben im zweiten Weltkrieg 100 Soldaten. Pro Stunde 100 Menschen.

Und auch heute noch sterben jeden Tag tausende Menschen in den vielen Kriegen, die in 28 Ländern dieser Erde toben.

Und wir hier, wir leben im Frieden, der Krieg ist weit weit weg, wir können uns gar nicht vorstellen, was Krieg ist.

Deshalb stehen wir hier, um daran zu denken, wie gut es uns geht. Wie herrlich es ist, im Frieden zu leben. Und deshalb stehen wir hier, um an die zu denken, die dieses schöne Leben nicht hatten oder haben.

Wenzl Bachmann, Walter Bildesheim, Wendelin Bildesheim, Karl Brunner, Josef Claudi, das sind die ersten Namen hier an unserem Kriegerdenkmal, und noch viele mehr, haben den Krieg erlebt, sie sind in dem Glauben in den Krieg gezogen, sich für eine gute Sache einzusetzen. Und als sie erkannten, dass sie unter falschen Vorgaben missbraucht wurden, da gab es kein Zurück mehr. Sie wurden verheizt, als Kanonenfutter missbraucht, zu sinnlosen Aktionen befohlen, und sie sind umgekommen, grausam, irgendwo im Schlamm, weit weg von zuhause.

Viele wurden einfach irgendwo verscharrt, die Angehörigen bekamen außer einem Formschreiben „gestorben für das Vaterland“ nichts, sie bekamen vor allem ihren Ehemann, Sohn, Bruder, Enkel, nicht zurück. Er war tot, gefallen in einem Krieg, der aus Großmannssucht angezettelt wurde, der von Anfang an sinnlos war.

So erging es den Menschen, die in den dreißiger und vierziger Jahren hier lebten. Sie hätten alles dafür gegeben, an einer solchen Gedenkstunde am Volkstrauertag teilnehmen zu können. Mit Ehemann, Sohn, Bruder, Enkel, hier zu stehen und sich daran zu freuen, dass Frieden herrscht.

Und die Menschen heute ?  Viele fragen sich, ob es sich lohnt, wegen Volkstrauertag die warme Wohnung zu verlassen.

Wir, die wir hier stehen, wir haben diese Frage mit JA beantwortet, wir demonstrieren hier für den Frieden. Und wir sollten nachher allen, die  nicht  hier sind, stolz erzählen, dass wir hier und heute demonstriert haben. Dass es sich lohnt, einmal über Krieg und Frieden nachzudenken und deutlich zu machen, dass uns Frieden etwas wert ist.

Wir sind hier, um zu gedenken. Wir engagieren uns für den Frieden. Wir demonstrieren hier und heute gegen Krieg und für Frieden.

Frieden ist die Grundlage für Freiheit. Ohne Frieden nützen alle materiellen Dinge nichts. Ohne Frieden sind wir einsame Kreaturen, deren Leben an einem dünnen Faden hängt.

Wir denken heute an alle, die durch einen Krieg leiden mussten, wir gedenken der Opfer von Gewalt und Krieg, der Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegs-handlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene oder Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern auch um die Opfer der Kriege in der heutigen  Zeit, um die Opfer von rechtem und linken Terror und politischer Verfolgung.

Wir trauern um die Soldaten der Bundeswehr und anderer Hilfskräfte, die ihr eigenes Leben verloren, weil sie das von anderen retten wollten.

Wir trauern mit den Angehörigen und mit allen, die Leid tragen um die Toten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, an Krieg muss man nicht  ständig  denken, auch am Volkstrauertag muss man nicht nur traurig sein, ganz im Gegenteil:  wir dürfen uns freuen, dass wir dieses besondere Privileg eines dauerhaften Friedens erleben. Und deshalb wird es Zeit, dass der Volkstrauertag nicht nur in Hallgarten, sondern überall in Deutschland, zu einem Gedenktag des Friedens wird, den auch junge Menschen begehen und sich wenigstens an einem Tag im Jahr auf die Grundlagen besinnen.

Sich besinnen und sich darüber klar werden, dass auch unser Wohlstand seine Ursache im Frieden hat. Früher war es normal, dass es alle 20 oder 30 Jahre Krieg gab. Das gab Tote, unglückliche Familien, aber es gab auch Geldentwertung und regelmäßige Vernichtung des Vermögens, die meisten fingen immer wieder bei Null an. Wir kennen das heute nicht, Gott sei Dank.

Auch unser materieller Wohlstand hat also seine Grundlage darin, dass wir seit vielen Jahren Frieden haben. Das ist ein Grund zur Freude.

Und daran müssen wir immer wieder mal denken, und dafür brauchen wir diesen Volkstrauertag.

Wir denken an die vielen Toten in den Kriegen, und wir wissen, wie gut es uns heute geht.

Aber das bleibt nur so, wenn wir uns dieser Situation immer bewusst sind und wir uns  für Frieden  und gegen Krieg  einsetzen. Und deshalb sind wir heute hier.