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Neue Arbeitswelten in Oestrich-Winkel

Oestrich-Winkel startet mit Kleinstadtverbund ins Modellvorhaben Neue Arbeitswelten 

In Oestrich-Winkel sollen Pfade für die Kleinstadtentwicklung gefunden werden, die auch als Wissensbausteine einer künftigen Kleinstadtakademie des Bundes dienen 

Oestrich-Winkel, den 06.05.2021 - Am 1. Mai ist ein vom Bundesinnenministerium gefördertes Modellvorhaben gestartet, an dem Oestrich-Winkel mit vier anderen Kleinstädten zusammenarbeitet. Im Verbund mit Dießen am Ammersee (Bayern), Dippoldiswalde (Sachsen), Mölln (Schleswig-Holstein) und Wittenberge (Brandenburg) entstehen dabei bis März 2023 Lösungsansätze für die Kleinstadtentwicklung, die sich aus dem Wandel der Arbeitswelt ergeben. Dieser Wandel stellt auch Oestrich-Winkel vor neue Herausforderungen, eröffnet zugleich Chancen, die erkannt und genutzt werden sollen.

Digitalisierung und Coronakrise

Angesichts von Digitalisierung, demografischem und Werte-Wandel verändert sich die Arbeitswelt bereits seit Jahren. Die Coronakrise mit Lockdowns und hunderttausenden Beschäftigten im Homeoffice beschleunigt im ganzen Land diesen Wandel, dessen Tempo noch vor Kurzem undenkbar erschien. Was zum Beispiel geschieht mit Pendlerorten, wenn Homeoffice zur „neuen Normalität“ wird? Vor welche Herausforderungen sind Kleinstädte gestellt, wenn massenhaft am Wohnort anstatt in der Metropole gearbeitet wird? Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich daraus? Wie sind diese zu gestalten und von wem?

Die Kleinstadt im Kontext der neuen Arbeitswelt

Vor diesem Hintergrund ist das Modellvorhaben mit dem Titel „Kooperative Entwicklung kleinstädtischer Transformationspfade im Themenfeld Neue Arbeitswelten“ gestartet. In Oestrich-Winkel geht es, wie in den anderen vier Orten darum, Akteure zu identifizieren und zu gewinnen, um die Kleinstadt im Kontext der neuen Arbeitswelt weiterzuentwickeln. Es wird ergründet, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirkungen die Verbreitung neuer Arbeitsformen z.B. für eine Belebung von Orten, für die Nutzung von Leerstand, für Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleiter, aber auch für Vereine und Ehrenamt, für eine Gründerszene oder auch für Mobilitätsangebote und -infrastruktur hat. Das Themenspektrum ist breit, jede beteiligte Kleinstadt wählt selbstbestimmt seine Schwerpunkte. Zum Projektschluss soll mehr Klarheit herrschen, was im Ort bei diesem Thema wie möglich ist.

Beispiel Oestrich-Winkel

Das Modellprojekt ist in drei Phasen gegliedert. Jede Kleinstadt wird begleitet von Experten der CoWorkLand Genossenschaft und aus der Wissenschaft, hier von der Professur für die Soziologie der gebauten Umwelt am Fachbereich Bauwesen der TH Lübeck. In der ersten Phase, die bis in den Herbst 2021 reicht, werden die Potentiale neuer Arbeitswelten in der jeweiligen Stadt erkundet. In der zweiten Phase entwickeln örtliche Akteure aus den Befunden konkrete stadtspezifische Ideen. In der abschließenden dritten Phase, bis Ende 2022, wird eine ausgewählte Idee in einem temporären „Popup-Labor“ experimentell erprobt. Die so erarbeiteten Ergebnisse sollen einerseits Grundlage für die Entwicklung stadtspezifischer Transformationspfade sein, andererseits als praktische Wissensbausteine in die im Aufbau befindliche Kleinstadtakademie des Bundesinnenministeriums einfließen.

Bürgermeister Kay Tenge dazu: „Die Corona-Pandemie hat einen Strukturwandel eingeläutet, der auch die Kleinstädte betrifft. Das Arbeiten im Home-Office ist in vielen Bereichen die neue Regel und nicht mehr die Ausnahme. Zusammen mit Herrn Bankwitz von der Wirtschaftsförderung der Stadt Oestrich-Winkel bin ich zuversichtlich, dass das Modellvorhaben der Kleinstadtakademie zukunftsweisende Antworten auf die vielfältigen Fragen finden wird, die dieser Wandel aufwirft“.

Übertragbare Lösungen

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) stärkt mit der geplanten Einrichtung einer Kleinstadtakademie im Rahmen der Initiative „Kleinstädte in Deutschland“ kleine Städte und Gemeinden. Für die Pilotphase der Kleinstadtakademie waren zum Jahreswechsel vier neue Modellvorhaben ausgewählt worden, die mit insgesamt rund 1,4 Millionen Euro gefördert werden können. Tanja Rönck, Bürgermeisterin der Gemeinde Malente und Vorsitzende der Jury: „Die ausgewählten Projekte spiegeln höchst aktuelle und wichtige Themen für Kleinstädte wider. Sie haben anspruchsvolle Arbeitsansätze und den Willen, zu übertragbaren Lösungen für möglichst viele Kleinstädte beizutragen.“

Neben dem Projekt Neue Arbeitswelten wurden als Modellprojekte ausgewählt:

·   „Kleine Städte. Große Vielfalt. Gute Zukunft. Innovative Innenentwicklung – lokal handeln und gemeinsam innovativ gestalten“ des Kleinstadtverbunds Bad Soden-Salmünster, Penkun, Seelow, Stadtroda;

·   „Bündnis für Wohnen im ländlichen Raum – Neue Instrumente für die Stärkung der Ortsmitte kleinerer Städte und Gemeinden“ des Kleinstadtverbunds Nieheim, Marienmünster, Drebkau, Seehausen (Altmark), Schieder-Schwalenberg, Vlotho;

·   „Zielgruppenspezifische Ideen, Konzepte sowie Maßnahmen zur Stadtentwicklung gemeinsam erlernen und erproben“ des Kleinstadtverbunds Zwönitz, Demmin, Münnerstadt, Bönen.

Die Pilotphase der Kleinstadtakademie ist Teil der Initiative Kleinstädte in Deutschland des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Sie wird durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), im Rahmen des Forschungsprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) des BMI betreut.

Mehr zur Pilotphase Kleinstadtakademie: www.bbsr.bund.de

Ansprechpartner zum Modellprojekt Neue Arbeitswelt in Oestrich-Winkel: Ruprecht Bankwitz, Wirtschaftsförderung, E-Mail ruprecht.bankwitz@web.de, Telefon 06723-992-144.

Kontakt Projektagentur CoWorkLand e.G.: Hans-Peter Sander, Ammersee Denkerhaus – Coworking Space, Sonnenstr. 1, 86911 Dießen am Ammersee, hans-peter@coworkand.de, 0176 63 722 680