• Aktuelles
  • Oestrich-Winkel ging als erste Kommune in den digitalen Bürgerdialog

Oestrich-Winkel ging als erste Kommune in den digitalen Bürgerdialog

Oestrich-Winkel nimmt Vorreiterrolle ein im Bürgerdialog per Videokonferenz mit Unterstützung der Bertelsmann Stiftung

Oestrich-Winkel ging als erste von deutschlandweit zehn Pilot-Kommunen mithilfe der Bertelsmann Stiftung in den Online-Dialog mit ihren Bürgern

Oestrich-Winkel, den 24. August 2020 – Im Rahmen des Konzeptes „Digitale Bürgerdialoge für Kommunen“ der Bertelsmann Stiftung hatte die Stadt Oestrich-Winkel als deutschlandweit erste Kommune ihre Bürger/innen aufgerufen, sich am Mittwoch, den 19. August 2020, an einer Online-Videokonferenz zu beteiligen. Der Austausch fand am Abend zwischen 18.30 Uhr und 21.00 Uhr statt.

Das Thema lautete: „Corona, und jetzt? Oestrich-Winkel steht zusammen! Steht Oestrich-Winkel zusammen? Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Zeiten der Corona-Pandemie.“ Trotz der großen Verlockung, den milden Sommerabend im Freien zu verbringen oder das Champions League Spiel anzusehen, hatten sich fast 50 Bürgerinnen und Bürger angemeldet, um mitzudiskutieren.

Der Austausch startete in Form eines Plenums mit einer Einführung durch Bürgermeister Kay Tenge und den Ersten Stadtrat Björn Sommer. Danach wurde in Kleingruppen von sechs bis acht Teilnehmern zu fünf verschiedenen Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Gesundheit diskutiert. Die Themen waren: „Kontaktlos in Kontakt bleiben - Wirtschaften und Geldtransfers in Oestrich-Winkel“, „Information und Kommunikation der Verwaltung – wie wollen Bürger/innen mit ihrer Verwaltung in Krisenzeiten und darüber hinaus zusammenkommen?“, „Abstand halten und digitaler werden im Supermarkt, Stadthaus und Weingeschäft – wie sieht die neue Kundenorientierung nach Corona aus?“, „Wie können wir durch mehr kulturelle Aktivitäten zu mehr Zusammenhalt beitragen und was brauchen Kulturschaffende dazu?“ und „Ehrenamt: Wie kann gut organisiertes und koordiniertes Ehrenamt zum Zusammenhalt beitragen?“.

Alle Teilnehmer/innen des digitalen Bürgerdialogs waren sich einig, dass während des Lockdowns ein verstärkter Zusammenhalt in allen Bereichen des Lebens spürbar war. Keiner hatte es einfach, aber alle machten gemeinsam das Beste aus der Situation in Oestrich-Winkel. Die nachbarschaftlichen Kontakte wurden intensiviert und es lernten sich sogar Nachbarn kennen, die vorher noch nicht miteinander gesprochen hatten. Die Solidarität war groß, viele Jüngere unterstützten Ältere und Angehörige von Risikogruppen, indem sie zum Beispiel für sie einkaufen gingen.

Spürbar wurden aber vor allem in der ersten Zeit der Einschränkungen auch negative Verhaltensweisen, wie Hamsterkäufe und Vorbehalte gegen Besucher aus anderen Städten und Regionen. Diese Phänomene legten sich aber nach der ersten Zeit der Unsicherheit schnell wieder. Das Abstandsgebot förderte den Ideenreichtum, sich über alternative Kanäle auszutauschen. Auch viele ältere Bürger/innen machten erste Erfahrungen mit Online-Chats und weiteren Möglichkeiten digitaler Kommunikation. Bürgermeister Tenge hob die Innovationsfreudigkeit der Mitarbeiterinnen des Mehrgenerationenhauses hervor, die über wöchentliche „Überraschungsbriefe“, die man abonnieren konnte, mit ihren Gästen in Kontakt blieben.

Die in den Kleingruppen erarbeiteten Ideen und Vorschläge wurden am Ende allen Teilnehmer/innen präsentiert und es erfolgte eine Online-Abstimmung darüber, welche Themen am schnellsten von der Stadtverwaltung in Angriff genommen werden sollten. Besonders am Herzen lag den meisten Teilnehmer/innen, dass die Stadtverwaltung auch zukünftig auf vielen verschiedenen Kanälen mit ihren Bürger/innen kommuniziert und so die unterschiedliche Mediennutzung der Altersklassen berücksichtigt. Von Flyern, Briefen und E-Mails über Zeitungsartikeln bis hin zu digitalen Newslettern sowie Facebook- und WhatsApp-Meldungen reichten die Vorschläge. Digitale Bürgersprechstunden, hybride Meetings sowie Videos für die sozialen Medien im Internet kamen als Ideen vor allem von der jüngeren Generation.

Kundenorientierung, gute Erreichbarkeit der Stadtverwaltung, rasche Rückmeldungen und einen Ausbau der Digitalisierung – so lauteten die größten Wünsche der meisten Konferenzteilnehmer/innen. Auch auf das Ehrenamt und die Kultursparte wurde im Kleingruppengespräch gesondert eingegangen. Die Teilnehmer/innen waren sich einig, dass gute Vernetzung gerade in Zeiten der Kontaktbeschränkungen besonders wichtig geworden sei, und dass diese vor allem generationsübergreifend geschehen müsse. Sowohl in Sachen Ehrenamt als auch in der Kulturarbeit wünschten sich die Teilnehmer/innen Unterstützung seitens der Stadtverwaltung. So soll zur besseren Koordination des Ehrenamtes eine Kontakt- und Vermittlungsbörse eingerichtet werden. Das Vereinsleben ließe sich durch die Bereitstellung passender Räumlichkeiten fördern.

 „Abschließend möchten wir herausstellen, dass der digitale Bürgerdialog eine große Bereicherung für Oestrich-Winkel und seine Bürger/innen sowie für die Mitarbeiter/innen der Stadtverwaltung war. Wir bedanken uns bei der Bertelsmann Stiftung für die hervorragende Unterstützung und bei den Teilnehmer/innen dafür, dass sie sich die Zeit genommen haben mitzumachen. Wir planen in jedem Fall, ab sofort vierteljährliche Bürgersprechstunden anzubieten und - sollte es nochmals zu stärkeren Kontaktbeschränkungen kommen - diese auch online per Videokonferenz auszurichten“, erklärten Bürgermeister Kay Tenge und der Erste Stadtrat Björn Sommer in der Rückschau.  

Hintergründe zum digitalen Bürgerdialog der Bertelsmann Stiftung

Anlass für das Projekt „Digitale Bürgerdialoge für Kommunen“ gab die Corona-Krise, die Mitte März 2020 die normalen Kommunikationswege innerhalb der Kommunen überraschend kappte. Bürgerversammlungen und Info-Abende durften aus gutem Grund nicht mehr stattfinden. Gleichzeitig wuchs der Bedarf an Austausch zwischen Kommunalverwaltung, Politik und Bürger/innen mit jedem Tag.

Dieses Dilemma erkannte die Bertelsmann Stiftung und entwickelte das Konzept „Digitale Bürgerdialoge für Kommunen“. Oestrich-Winkel gewann als eine von nur zehn Kommunen in Deutschland die Ausschreibung. Der digitale Bürgerdialog thematisierte die Corona-Krise und ihre Auswirkungen. Er bot die Möglichkeit für persönlichen Austausch, Feedback und Verbesserungsvorschläge.

Bürgermeister Kay Tenge und der Erste Stadtrat Björn Sommer freuten sich riesig: „Bereits im März 2020, schon lange bevor wir von der Ausschreibung der Bertelsmann Stiftung erfuhren, hatten wir überlegt, wie wir eine geplante Bürgerversammlung trotz Corona-Krise im digitalen Raum stattfinden lassen könnten. Umso mehr haben wir uns gefreut, die erste Kommune zu sein, die an dem digitalen Bürgerdialog der Bertelsmann Stiftung teilgenommen hat. Denn nichts ist uns wichtiger, als auch in diesen schwierigen Zeiten in Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern Oestrich-Winkels zu bleiben, ihre Sorgen und Nöte zu hören, zu verstehen und danach handeln zu können.“