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Waldbegehung auf der Hallgartener Zange

Waldbegehung in Oestrich-Winkel mit den Schwerpunktthemen „Dürreschäden bei Fichte und Buche“ und „Wiederbewaldung“

Oestrich-Winkel, den 22. September 2020 – Die Waldbegehung der Stadtverwaltung Oestrich-Winkel am Freitag, den 11. September 2020 war mit rund 30 Teilnehmer/innen  aus Politik, Verwaltung und Forst sehr gut besucht. Die Themenschwerpunkte des Tages waren "Dürreschäden, insbesondere bei Fichte und Buche" sowie "Wiederbewaldung der geschädigten Flächen" im Stadtwald Oestrich-Winkel.   

Die Begehung startete um 15.00 Uhr auf dem Parkplatz Kreistanne auf der Hallgartener Zange. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Kay Tenge Tenge (parteilos) und Forstamtsleiter Jan Stetter vom Forstamt Rüdesheim unternahm die Gruppe eine dreistündige Wanderung durch die stark geschädigten Waldflächen rund um die Hallgartener Zange.

Wiederbewaldung und Naturverjüngung

Zu Beginn stellten Jan Stetter und seine Kollegen die entstandenen Freiflächen vor, die ehemals mit Fichte bestockt waren und erläuterten das Konzept zur Wiederbewaldung: Es sieht vor allem die Nutzung der aufkommenden Naturverjüngung vor. Nach Erfahrungen des Forstamtes entstehen auf diesen Flächen üblicherweise von selbst Naturverjüngungsbestände mit mehreren Baumarten. Nach einigen Jahren wird dann durch gezielte Pflegeeingriffe die Baumartenmischung so angepasst, dass möglichst klimastabile Mischbestände entstehen.

Der Wald verändert sich rasant

Die Förster hatten dem interessierten Publikum einige Exemplare von Pflanzen mitgebracht, die eingegangen waren, nachdem sie durch den "Großen Braunen Rüsselkäfer" angefressen worden waren. Da sich der Rüsselkäfer bevorzugt in den Baumstümpfen von Fichten entwickelt, können auf solchen Flächen erst mit einigen Jahren Verzögerung wieder Nadelbäume gepflanzt werden.

Fazit nach der ersten Blöße, auf der sich aber bereits wieder Bäume ansiedeln: Der Wald stirbt nicht - aber er verändert sich gerade mit hoher Geschwindigkeit. Doch nicht nur die Bäume und Pflanzen haben unter den Wetter-Ereignissen der vergangenen Jahre gelitten. Auch 15 Kilometer Waldwege mussten im Stadtwald Oestrich-Winkel mit hohem Aufwand komplett saniert werden. Auch sie wurden, jüngst erneuert, bei der Waldbegehung begutachtet.

Buchen leiden besonders unter Trockenheit

Warum die Buchen besonders unter der Trockenheit leiden, erläuterten die Förster ebenfalls und stellten die drei verschiedenen möglichen Schäden vor: Die frühe Herbstfärbung bei ansonsten guter Knospenanlage ermöglicht es dem Baum normalerweise im Frühjahr trotzdem wieder auszutreiben. Anders sieht es aus bei schnellem Zurücktrocknen der Krone von oben. Ein solcher Baum wird im nächsten Jahr wahrscheinlich zumindest im unteren Kronenbereich wieder austreiben, ist aber für mehrere Jahre stark geschwächt und vom Absterben bedroht. Beim vollständigen Austrocknen der gesamten Krone und/oder beginnendem Pilzbefall von der Wurzel her ist der Baum mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bereits abgestorben und wird damit durch abbrechende Baumteile zu einer Gefahr für Waldbesucher. Zusätzlich droht durch den Pilzbefall eine schnelle Entwertung des Holzes.

Borkenkäfer suchen

Zum Schluss durften die anwesenden Wald-Laien sich im Erkennen von vom Borkenkäfer frisch befallenen Fichten versuchen und die Befalls-Anzeichen wie Bohrmehl und die nur wenige Millimeter großen Bohrtrichter entdecken. Dies verdeutlichte allen Teilnehmer/innen, welch großen Aufwand das ständige und häufige Suchen des frischen Befalls für die Forstleute bedeutet.

Abschluss mit Panoramablick

Als Belohnung für die Anstrengung gab es zum Abschluss für alle eine kleine Stärkung in der Gastronomie des Kletterparks Hallgartener Zange mit Panoramablick über Stadtwald und Rheingau.

Bürgermeister Tenge bedankte sich bei Jan Stetter, Markus Wehran und Maximilian Kaller für die Einblicke in die tägliche Arbeit der Förster. Die Gruppe nahm intensive Einblicke mit, was für den Erhalt des Oestrich-Winkeler Stadtwaldes alles getan wird. Das Erschrecken über das Ausmaß der aktuellen Schäden - insbesondere bei den Buchen -war allgemein groß, hielt sich aber die Waage mit der Freude über die sehr zukunftsorientierte Bewirtschaftung, die in Oestrich-Winkel zur Anwendung kommt.

Waldbegehung in Oestrich-Winkel am 11.09.2020, von links nach rechts: Bürgermeister Kay Tenge (parteilos), Forstamtsleiter Jan Stetter, Förster Markus Wehran, Förster Maximilian Kaller und Stadtverordnetenvorsteher Roland Laube